1. Runder Tisch zur Thematik Jagd.

Am 24.Februar 2008 fand im Schloßhotel Kassel Wilhelmshöhe der erste Runde Tisch für an der jagdlichen Ausbildung interessierten Beaglebesitzer statt. Es war ein langer, aber zu keiner Minute langweiliger Tag.

Neben 18 Jagenden Beaglebesitzern war eine ebenso goße Anzahl Nichtjäger angereist um den Gedanken des "Leiters für das Jagdbebrauchshundwesen  des BCD" und natürlich den zwei angeküdigten Referenten zu lauschen. Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den 1. Vorsitzenden des BCD e.V. (BCD), Herrn Thomas Warneke, und den einleitenden Worten von Herrn Camacho-Schween durfte der erste Referent beginnen.

Erste Hilfe am Hund / Jagdunfälle.

Herr Dr. Stephan Neumann Leiter einer Tierklinik und Privatdozent für Tiermedizin ist selbst Jäger und verfügt in vielerlei Hisicht  über reichliche Erfahrungen auf dem Gebiet der Verletzungen in Zusammenhang mit der Jagd, zpeziell durch wehrhaftes krankgeschossenes Wild.

Eindrucksvoll wurden anhand von Bildern aus der tierätztlichen Praxis teilweise schwerste Verletzungen dargestellt.  Auch leichte Hautverletzungen können bei nicht fachgerechter Versorgung langwierige und schmerzhafte Folgen haben. Nicht zu unterschätzen ist der Schock und die damit verbundene Einschränkung der Durchblutung der Haut nach Unfällen.  Selbst Ruhe zu bewahren und beruhigend auf das Tier einzuwirken ist eine wichtige Pflicht des Hundehalters. Keine einfache Aufgabe in einer derartigen Situation.

Was tun, bei Verletzungen des Bauchraumes oder des Brustkorbes?  Die Erstversorgung kann unter den zeitlichen Gesichtspunkt hier nur selten durch einen Fachmann erfolgen. Hier muss der Hundehalter eingreifen. Gerade bei schwersten Verletzungen ist es besser etwas "nicht ganz richtig" zu machen, als tatenlos den Hund sterben zulassen.

Vieles erinnnert an die Humanmedizin und die erste Hilfe am Unfallort.

Das die geschilderte (Jagd-)Unfallsituationen real sind, konnten erfahrene jagdausübende Beaglebesitzer nur bestätigen. Insbesondere der Kontakt zu Schwarzwild stellt hier ein großes Gefahrenpotenzial dar.

Auch Schnitt oder Bissverletzungen an Läufen und Behängen waren ein Thema. Aus zeitlichen Gründen waren leider keine praktischen Übungen vorgesehen. Wer einmal selbst eine Pfoten- oder Ohrverband angelegt hat, kennt die schwierigkeiten diese Verbande so anzulegen, dass sie auch einer "Normalbelastung" standhalten.

 

Einführung in die Schweiß- und Nasenarbeit.

Auch die zweite Referentin des Tages, Frau Angelika Jensen, ist Jägerin und erfolgreiche Ausbilderin für unterschiedliche Jagdhundrassen. Ihre Ausführungen zur Ausbildung waren keine blanke Ausbildungstheorie. Durch ihre eigene Jagdausübung können die Ausbildungserfolge und die Wege zum Erfolg in der Praxis erprobt werden.
In einem kleinen praktischen Teil konnte (mittels Leberwurstbrot-Fährte) demonstriert werden, das die Nasenarbeit auch schon bei sehr jungen Hunden erfolgreich geübt werden kann. Neben den Seminarteilnehmern konnten sich auch einige Hotellgäste und Passanten davon überzeugen.

Die Schweißarbeit ist wohl die Königsdisziplin der jagdlichen Ausbildung. Nichts was man eben mal so schnell nebenbei erledigen kann. Zwei Jahre Ausbildung mit wöchentlich einer Fährte wird durch die Fachfrau veranschlagt. Frau Jensen weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Ausbildungsmethode ausschließlich auf positiver Bestärkung und ohne Starkzwangmittel beruht.

Für den Jäger ist die Schweißarbeit kein Selbstzweck. Es ist harte und wichtige Arbeit im Sinne des Tierschutzes. Jäger sind verpflichtet Krankgeschossenes Wild schnell aufzuspüren  und vom Leiden zu erlösen. Das das kranke Tier sich oftmals wehrt und dabei nicht nur den nachsuchenden Hund, sondern auch dessen Hundeführer gefährdet wurde durch den ersten Referenten des Tages schon eindrucksvoll vermittelt.  Es ist also große Sorgfalt und Vorsicht geboten.

Wichtigster Punkt in der Zusammenarbeit des "Gespannes" Jäger und Hund ist das gegenseitige Vertrauen und die Aufgabenteilung. Der Hund mit seiner sehr feinen Nase "sagt wo es lang geht". Der Hundeführer kotrolliert nur. Er muss lernen im Verhalten des Hundes zu lesen. Er muss erkenne bis zu welchem Punkt der Hund 100% sicher der Fährte folgt und ab welchem Punkt der Hund eventuell Unsicherheit zeigt.
Sehr wichtig in diesem Zusammenhang sind bestimmte Rituale der Vorbereitung. Der Hund erkennt daran, worum es geht und was von ihm erwartet wird.  Erfolge des Hundes und die Belohnung der erbrachten Leistung sind unverzichtbar.

Welche Ausrüstung wird benötigt? Von der dornenfesten Hose, Weste und Schutzbrille, Lupe,  Kompass, Rettungsdecke bis zum Jagdmesser. Die Liste ist lang und der Rucksack sollte nicht zu klein gewählt sein.  Ausführliche Antworten gab es natürlich auch zum Zweck der jeweiligen Gegenstände.

Schnell erkennt jeder Seminarteilnehmer, dass die Hunde diese anspruchsvolle Aufgabe und natürlich das Absolvieren einer Prüfung  nur durch intensives Training erbringen können.
Selbstverständlich wurden auch Trainingsutensilien wie Schweiß und Schnitthaar angesprochen. Was ist geeignet und woher bekommt man es.

Methoden zur Herstellung einer Schweißfährte waren ebenfalls Thema.

Insgesamt ein sehr interessanter Vortrag. Mir als Nichtjäger kam zugute, dass mein Vater Jäger war und ich mich an bestimmte jagdliche Fachbegriffe erinnern konnte.  -  Aber auch diese Begriffe wurden im Zweifelsfall erklärt.

 

 

Durchführung jagdlicher Ausbildungen und Prüfungen.

Als letzter Punkt stand die künftige Vorgehensweise des BCD in Sachen Jagdliche Ausbildung auf der Tagesordnung.

Herr Camacho-Schween verwies dabei auf die Satzung des BCD in der die Förderung der jagdlichen Anlagen der Beagle verankert sind. Insbesondere die Spurlautprüfung der in der Zucht eingesetzten Tieren sollte  angestrebt werden, da die spurlaute Jagd  das hervorstechende Merkmal unserer Hunderasse ist.

Der BCD hat dazu ein Informations-Faltblatt über den "Jagdhund Beagle" herausgegeben.

Es wurden Änderungen in der "Prüfungsordnung Jagd" wie die Anzahl möglicher Wiederholungen bestimmter Prüfungen und die Zusammenlegung von Schweiß- und Stöberprüfung zur Gebrauchsprüfung (GP) angesprochen.

Beagles können die Prüfungen auch bei einem anderen, dem JGHV angeschlossenen Verein (Z.B. Teckelclub), ablegen.  Eine Anmeldung beim BCD und die schriftliche Genehmigung durch den Leiter f.d. Jagdgebrauchshundwesen ist wegen der Begrenzung der Prüfungsversuche erforderlich.  Grundsätzlich werden diese Genehmigungen immer erteilt.

Ab sofort wird die Durchführung jagdlicher Prüfungen mit Veranstalter und Prüfungsort auf der Homepage des BCD veröffentlicht. Auch die Auslastung der einzelnen Prüfungsorte ist auf der Homepage nachzulesen.
(Zeitlich versetzt erfolgt die Veröffentlichug natürlich auch im Beaglebrief.)

Die Kapazität für die Schussfestigkeitsprüfung (SFP) ist größer als die für eine SLP. Es besteht daher die Möglichkeit an der SFP teilzunehmen und bei Ausschluss eines Kandidaten für die SLP dessen Platz einzunehmen. Damit wären die Kapazitäte optimal genutzt. Dies ist aber mit dem jeweiligen Veranstalter abzusprechen.

Reviere für die Prüfungen.

Es werden dringend weitere Reviere für die Durchführung jagdlicher Prüfungen, insbesondere der Spurlautprüfung  gesucht.  Die bisher genutzten Reviere werden teilweise von mehreren Jagdgebrauchshundrassen genutzt. Die damit verbundene Unruhe führt  zu einer Vergrämung des Wildbestandes auf diesen Flächen.

Die Eignung eines Revieres  ist weniger von der Größe als vielmehr von der Übersichtlichkeit der Flächen und natürlich des Hasenbesatzes abhängig. Stark frequentierte Straßen wie Bundesstraßen sollten das Revier nicht durchqueren. Bei Ortsverbindungsstraßen kann eventuell mit Warnhinweisen gearbeitet werden.

Für die Durchführung der Schussfestigkeitsprüfung (SFP) können auch eingezäunte Flächen wie Baumschulen genutzt werden, sofern auf diesen Fächen die Schussabgabe (Schrotschuss) zulässig ist.

 

Richteranwärter für jagdliche Prüfungen gesucht.

Der BCD verfügt momentan nur über zwei Richter für jagdliche Prüfungen. Grundvoraussetzung für die Richteranwartschaft ist, dass man "jagdpachtberechtigt" ist, d.h. Man muss den 4. Jahresjagdschein erworben haben. Die weiteren Voraussetzungen sind im Anhang der Prüfungsordnung Jagd des BCD aufgeführt. Interessenten werden gebeten, sich an Herrn Camacho-Schween zu wenden.

Abschließend wurde einstimmig vereinbart im nächsten Jahr eine ähnliche Veranstaltung, natürlich mit anderen Referententhemen, durchzuführen.

Heinrich Heling